Warum gibt es noch nicht so viele E-Autos auf deutschen Straßen?

Energie für Neues

27. Oktober 2020

Eine Million E-Autos auf deutschen Straßen – das Ziel ist noch nicht erreicht. Aber warum eigentlich nicht?

Oder: Warum die erste Million immer noch auf sich warten lässt. 

Die E-Mobilität scheint ein Thema zu sein, mit dem sich ganz Deutschland auseinandersetzt, geradezu auseinander setzen muss – und an dem kein Weg vorbeiführt – soweit sicher aus Sicht überzeugter E-Mobilisten wie uns.

Die tatsächlichen Zahlen sprechen aber (noch) eine andere Sprache. Der ADAC z.B. schreibt in einer Stellungnahme:

“Von der einen Million an Elektroautos, die ursprünglich von der Politik als Zielmarke für das Jahr 2020 vorgesehen war, ist Deutschland bekanntlich weit entfernt. Bis Ende des Jahres 2019 sind in Deutschland insgesamt 306.231 E-Fahrzeuge (inklusive Plug-in-Hybride) zugelassen worden. Die von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Fördermittel in Höhe von 600 Millionen Euro sind bis heute nicht ausgeschöpft worden. Ganz offensichtlich waren die Angebote der Hersteller bisher weder preislich attraktiv noch alltagstauglich genug.”

Auch nach erneuter Anhebung der Fördermittel für neue E-Autos oder Ladestationen: Die deutschen Autofahrer scheinen trotz aller Vorteile für sich und die Umwelt vom “Konzept E-Auto” noch nicht überzeugt. 

Die (teilweise) nachvollziehbaren und gängigen Gegenargumente lauten:

  • zu teure Autos
  • zu geringe Reichweite
  • zu lange Ladezeiten
  • zu wenig (freie) Ladepunkte
  • unklare Preisstruktur beim Laden
  • zu geringe Endgeschwindigkeiten
  • Steuergelder werden verschwendet
  • Die E-Mobilität löst nicht das CO2 Problem
  • die grundsätzliche Leugnung des Klimawandels (der Vollständigkeit halber mit aufgeführt.)

Das Thema Auto scheint für die Deutschen nach wie vor eines ihrer Liebsten zu sein – auch weil es sich trotz aller Rückgänge insgesamt um eine der wichtigsten Schlüsselindustrien handelt. Und gleich welcher Skandal (von Elchtest bis Abgas-Betrug, von TT-Kurve bis Gelber-Engel-Skandal beim ADAC): Das Auto bleibt des Deutschen liebstes Kind.

Die ZEIT vermerkt dazu sehr passend:

“Das deutsche Automobil – das sind wir selbst. Eben deshalb regt das Thema die Deutschen auf wie kaum ein anderes: Wer das deutsche Auto angreift, der greift auch die Deutschen an. (…)”

Und so scheint aus einer einfachen Konsumenten-Frage „Welches Auto sollen wir als nächstes kaufen?“ eine regelrechte Glaubensfrage zu werden.

Lasst uns einmal die gängigsten Gegenargumente aufschlüsseln:

Zu teure Autos.

Ok. Was teuer ist oder was günstig ist, darüber entscheidet jeder Käufer für sich alleine. Die Frage ist eben nicht nur, was man bezahlen kann, sondern auch, was man bezahlen möchte. Und so ist es durchaus nachvollziehbar, dass eine ablehnenden Kaufhaltung eintritt, wenn ein E-Kleinwagen soviel kostet wie ein Benziner im Mittelklasse-Segment. Hier ist sicherlich die Frage berechtigt: Wieviel Auto bekomme ich für mein Geld? In der Praxis sieht es übriges durchschnittlich so aus, dass das E-Auto bei vielen Familien als Zweitwagen benutzt wird, für die kurzen Strecken.

Zu geringe Reichweite

Die Sorge ist wie immer: Ein leerer Akku, aber der Weg nach Hause ist noch weit. Allerdings könnt ihr mit den heutigen Modellen mit einer entsprechend angepassten Fahrweise bis zu 580 km Reichweite erreichen. Allerdings sind dies eher Laborwerte und dürften in der Praxis abweichen. Aber: Der tägliche Weg zur Arbeit beträgt im Schnitt 16km. Und das schafft jedes E-Auto! Und wer längere Fahrten plant, der kann sich auf der Route mit entsprechenden Apps Lade-Pausen eintragen und kommt dann genau so weit. Es dauert halt etwas länger :-)

Zu lange Ladezeiten

Ein E-Auto zu laden dauert viel länger, als einen Benziner zu betanken. Hier muss also geschaut werden, welche Schnellladesäulen es unterwegs gibt, wo das Auto schnell wieder auf „dreiviertelvoll“ geladen werden kann. Aber die Kritiker haben Recht: Schnell mal tanken ist immer schneller! Aber wer 30-60 Minuten Zeit einplant, kann sein Auto an öffentlichen Säulen mit einer Schell-Ladung auf 80% wieder „auftanken“.

Zu wenig freie Ladepunkte

Ja, das kann ein Problem sein. Wer auf eine öffentliche Ladesäule angewiesen ist, ärgert sich umso mehr über blockierte, zugeparkte oder defekte Ladepunkte. Das Netz wird in Deutschland und Europa aber immer weiter ausgebaut, so dass dies immer mehr Regionen eigentlich kein Thema mehr ist. Unser Ladenetz rund um Husum findet ihr hier.

Zu geringe Endgeschwindigkeiten

Das ist heute eigentlich kein Thema mehr. Wer ein besonders sportliches Modell fahren möchte, wird auch im E-Bereich fündig und hat Auswahl. Geschwindigkeiten über 260km/h sind möglich. Ob man das irgendwo sinnvoll gebrauchen kann, sei dahingestellt.

Die unklare Preisstruktur beim Laden

Ja, das ist leider oft ein Thema. Aber nicht bei uns: Wenn ihr  auf Nummer sicher gehen und dabei noch grün fahren wollt, wechselt gerne zu den Stadtwerken Husum. Wir haben transparente, günstige Preise und eine eigene gute Lade-Infrastruktur im Husumer Raum sowie eine Partnerschaft mit New Motion, so dass ihr an über 155.000 Ladestationen in ganz Europa laden könnt.

Steuergelder werden verschwendet

Wer sich gegen die E-Mobilität ausspricht, führt oft eine Verschwendung von Steuergeldern an. Nun kann man argumentieren, dass die Förderung beim Kauf oder die Subvention über den Bezug von kostenfreien Strom an offenen Ladesäulen nur einem Teil der Menschen zu Gute kommt. Aber so ist es in vielen Bereichen – ob gerade der Ansatz bei der Elektromobilität da der richtige ist, sich zu beschweren, soll jedem Einzelnen überlassen bleiben. Aber: Wer mit Strom bei uns fährt, der fährt grün. Und Grün ist und bleibt nun mal gut für die Umwelt – und davon haben alle Menschen etwas!

Die E-Mobilität löst nicht das CO2 Problem

Das stimmt. Damit wir unseren Kindern und deren Kindern eine saubere Welt hinterlassen, müssen wir in so vielen Bereichen etwas tun. Die Mobilität insgesamt wird einen Wandel erleben – und der Umstieg auf alternative Antriebe wie den Elektromotor sind dabei ein Teil vom großen Ganzen. Dabei muss nun nicht jeder ein E-Auto fahren, es gibt so viele Dinge, die Umweltbelastung zu reduzieren: Öfter Bus fahren, das Fahrrad nehmen, auf Einwegartikel verzichten… Die Liste ist lang. Jeder kann sich dort etwas raussuchen, was am besten in seinen „Way of life“ passt. Für die einen ist es das E-Auto, für die anderen der Verzicht auf Kurzstreckenflüge und wiederum andere bringen sich einen Mehrwegbecher zum Bäcker mit für den täglichen Coffee2Go.

… die grundsätzliche Leugung des Klimawandels.

Die Leugnung der menschengemachten globalen Erwärmung ist in weiten Teilen der Gesellschaft leider immer noch verbreitet. Wer sich aber ernsthaft über den menschengemachten Klimawandel, die Folgen und was wir sofort tun können, informieren möchte, findet u.a. bei Greenpeace hilfreiche Informationen.