Neue Wasserpreise ab dem 01.01.2017

Ab dem 01.01.2017 gilt ein neues Tarifmodell für Trinkwasserpreise. Hintergrund ist die zunehmende Kluft zwischen verbrauchsabhängigen Erlösen und dem hohen Anteil von Fixkosten für die Bereitstellung der Trinkwasserversorgung.

Die Zusammensetzung der Preise finden Sie auf dem Preisblatt.

Das neue Tarifmodell für Trinkwasser

1. Die Stadtwerke Husum führen ein neues Tarifsystem für Trinkwasser ein. Wieso? Trägt das aktuelle Tarifsystem nicht mehr?

Die Trinkwasserversorgung ist eine hoheitliche Aufgabe der Daseinsvorsorge, für die Kommunen verantwortlich sind.   In Husum – wie auch in vielen anderen Städten – hat die Kommune ihre Stadtwerke mit dieser Aufgabe betraut. Die Wasserversorgung ist nicht gewinnorientiert, wirtschaftlich muss ihr Betrieb auf Dauer jedoch sein.

In den vergangenen Jahren ist die Bevölkerung umweltbewusster geworden: Private Verbraucher wie auch Gewerbe, Handel und Industrie gehen sorgsamer mit Wasser um. Die Folgen: Der spezifische Wasserverbrauch pro Bewohner ist zurückgegangen, die Kostenstruktur hat sich verändert. Das hat Auswirkungen auf die Berechnung des Wasserpreises. Und deshalb braucht es in Husum ein neues Tarifsystem, das diese Veränderungen berücksichtigt.

Die Trinkwasserversorgung ist kapitalintensiv: Rohrsysteme, Pumpen, Schieber, Wasserförderung und -aufbereitung müssen zu jeder Zeit funktionieren, um den Netzkunden stets die gewünschte Trinkwassermenge in gewohnt guter Qualität zur Verfügung zu stellen. Die Infrastruktur ist in Husum vorhanden und wird gepflegt – unabhängig davon, wie viel Wasser tatsächlich von den Verbrauchern nachgefragt wird. Die Kosten für die Infrastruktur, deren Betrieb, Pflege und Erneuerung ist unabhängig vom Verbrauch; deshalb werden sie auch Fixkosten genannt. Bei Wasserversorgern beträgt der Fixkostenanteil heute etwa 80 bis 90 Prozent der Gesamtkosten, lediglich 10 bis 20 Prozent der Kosten sind variabel, also abhängig vom Verbrauch. Das heißt, der Großteil der Betriebsausgaben für einen Wasserversorger entsteht unabhängig von Auslastung und Abgabemenge.

In Deutschland werden die Wasserpreise für den Endverbraucher nach dem Kostendeckungsprinzip gebildet, wobei häufig ein variabler Verbrauchsanteil und ein Fixkostenanteil berücksichtigt werden. Die Tarifstruktur in Husum – wie auch bei vielen anderen Wasserversorgern – spiegelt die tatsächliche Kostenstruktur zunehmend ungenügend wider: Der Anteil der Fixkosten für das Bereitstellen von Wasserleitungen, Brunnen, Pumpen und weiteren speziell für Spitzenverbrauchszeiten steigt, der Anteil an mengenbezogenen Kosten für Wasserförderung, -aufbereitung und -transport sinkt.

Das derzeitige Abrechnungsmodell basiert auf alten Verbrauchsprognosen; damals ging man von stetig steigenden Verbräuchen aus. In Wirklichkeit ist der Verbrauch aber rückläufig. Die Folge: Es klafft eine Schere zwischen fixen Kosten und deren sachgerechten Erlösen. Diese gilt es, mit dem neuen Tarifmodell zu schließen. Um eine zuverlässige Wasserversorgung dauerhaft sicherstellen zu können, braucht es wirtschaftlich gesunde Unternehmen. Das trifft aktuell auf die Stadtwerke Husum zu – und das soll auch in Zukunft so bleiben, damit sie im Auftrag der Stadt die Aufgaben der Daseinsvorsorge wahrnehmen können.

2. 2014 und 2015 gab es zwei große Wasserrohrbrüche. Zahlen die Bürger jetzt für die Sanierung des Netzes?

Nein. Die Husum Netz, die als Netzbetreiber für das Trinkwassernetz zuständig ist, hat für die Erneuerung des Netzes einen langfristigen Maßnahmenplan. Dafür wurden auch Rücklagen gebildet. Die beiden Leitungen, die von den Wasserrohrbrüchen betroffen waren, waren in diesem Masterplan bereits vorgesehen. Sie wären in den nächsten Jahren sowieso ausgetauscht worden – durch die Rohrbrüche mussten die Investitionstätigkeiten jedoch umgeschichtet werden. Der Wirtschaftsplan sieht immer auch eine gewisse Summe für Fälle vor, die nicht vorhersehbar sind. Die Husum Netz ist ein wirtschaftlich stabiles Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalquote. Sie achtet darauf, dass ihre Trinkwasser- und Energienetze in gutem, zukunftsfähigen Zustand sind.

3. Wie soll das neue Tarifmodell aussehen?

Bisher besteht das Entgelt für Trinkwasser aus zwei Teilen: Dem Mengenpreis für die tatsächlich entnommene Menge an Wasser, gemessen in Kubikmetern (1 Kubikmeter entspricht 1.000 Liter) und dem sogenannten Verrechnungspreis. Letzterer orientiert sich an der Größe des Wasserzählers und ist ein Betrag, der jeden Monat in gleicher Höhe berechnet wird. Dieser Verrechnungspreis deckt einen Teil der Fixkosten, die der Wasserversorger hat.

Neu im geplanten Tarifsystem ist ein dritter Preisbestandteil: Eingeführt wird der Systemvorhaltepreis. Er soll dazu beitragen, die Fixkosten für die Vorhaltung der Wassersysteme stärker über einen Fixpreisanteil zu decken: Rohrsysteme, Fördertechnik, Wartung oder Instandsetzung sind dabei berücksichtigt. Denn unabhängig davon, wie viel Wasser in Husum gebraucht wird, muss die Husum Netz ein Trinkwassersystem betreiben, das besonders auch für Spitzenzeiten eine ausreichende Menge zur Verfügung stellen kann. Das gilt insbesondere für heiße Sommermonate, in denen viele Touristen in Husum sind.

Bei der Konzeption und Kalkulation des Modells orientieren sich die Stadtwerke Husum am Leitfaden zur Wasserpreiskalkulation des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e. V.

4. Wird das Wasser teurer?

Die Kosten werden künftig verursachungsgerechter verteilt. Die Entgelte für das Trinkwasser müssen die Kosten decken, die Trinkwasserversorgung muss keine Gewinne abwerfen.

Im Detail bedeutet dies:

  • Der Mengenpreis – also die variablen, verbrauchsabhängigen Kosten – für den Kubikmeter Trinkwasser wird abgesenkt. Für Haushaltskunden liegt die Senkung bei etwa 4 Cent pro Kubikmeter. Das sind die variablen, verbrauchsabhängigen Kosten.
  • Bei den fixen Kosten sinkt der Grundpreis über alle Wasserzählerarten hinweg. So wird der damit verbundene Aufwand verursachungsgerecht und transparent zugeordnet. Hinzu kommt jedoch neu der Systemvorhaltepreis. Rechnet man diese beiden fixen Preisbestandteile zu-sammen, so erhöht sich der Fixpreisanteil für Trinkwasser nach 10 Jahren Stabilität um zirka 12 Prozent.
  • Ein Durchschnittshaushalt mit einer Abnahme von 100 Kubikmeter Wasser pro Jahr, also 100.000 Litern, würde pro Monat damit rund 2,20 Euro mehr zahlen.

Unterm Strich bedeutet das neue System vor allem für diejenigen, die sehr wenig Wasser abnehmen, eine Mehrbelastung – das sind insbesondere Ferienwohnungen. Teurer wird Wasser also für Domizile, die nicht über das gesamte Jahr bewohnt sind – und nicht für Haushalte, die sparsam mit Wasser umgehen. Das halten wir für fair, weil Systemvorhaltung besonders kostenintensiv ist, vor allem wegen der Spitzenzeiten.

5. Wie kommt der neue Preisbestandteil (Systemvorhaltepreis) zustande?

Der Systemvorhaltepreis leitet sich aus der rechnerischen Anzahl der Einwohner pro Anschluss ab: Zugrunde liegt der statistische Tagesverbrauch von etwa 110 bis 120 Litern pro Einwohner. Kombiniert mit der Wasserentnahme über die letzten Jahre entsteht so der Einwohnergleichwert. Er sagt aus, wie viele Bewohner rein rechnerisch ihr Wasser pro Anschluss entnehmen. Das heißt: Je mehr Wasser pro Anschluss bezogen wird, desto höher liegt der Systemvorhaltepreis.

Ein Beispiel: Der bundesweite Pro-Kopf-Gebrauch von Wasser liegt aktuell bei etwa 40 Kubikmetern pro Jahr. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit vier Personen und einem Gebrauch von 160 Kubikmetern pro Jahr liegt der Systemvorhaltepreis im neuen Tarifmodell bei rund 2,76 Euro pro Monat.

Hintergrund: Mit steigender Zahl der Bewohner pro Abnahmestellen ändert sich das Gebrauchsverhalten. Die Stundenspitzen – also die Ausschläge der maximalen Wasserentnahme – werden höher. Auf diese Spitzenzeiten muss die Husum Netz ihr Leitungssystem auslegen. Über den Systemvorhaltepreis werden auch Ferienwohnungen an den gemeinschaftlichen Kosten beteiligt:

Wenn Wohnungen nur wenige Monate pro Jahr – meist in den verbrauchsintensiven Sommermonaten – genutzt werden, sind über das gesamte Jahr gesehen die Kosten für Systemvorhaltung pro Wohnung eher hoch. Das schlägt sich in Systemvorhaltepreis nieder.

6. Haben sich die Stadtwerke Husum mit dem Systemvorhaltepreis ein zusätzliches Hintertürchen für Preiserhöhung geschaffen?

Nein. Die neuen Entgelte bleiben mindestens drei Jahre lang stabil. Die Stadtwerke Husum verstehen sich als Dienstleister, der den Standort Husum fördert – und die Einwohner der Stadt möglichst gerecht und kostengünstig mit dem lebenswichtigen Gut Trinkwasser beliefern will. So liegt die letzte Erhöhung

der Trinkwasserentgelte mehr als 10 Jahre zurück. In der Zwischenzeit sind sowohl die allgemeinen Kosten als auch Investitionskosten gestiegen.

7. Wie liegen die alten und die neuen Preise im Vergleich mit anderen Trinkwasserversorgern der Region?

Im Vergleich mit Stadtwerken im Umkreis liegen die Stadtwerke Husum auch mit ihrem neuen Tarifsystem preislich im Mittelfeld – das gilt für kleine wie für große Verbräuche. Die Stadtwerke Husum beliefern in Husum und Mildstedt alle Haushalte und Unternehmen mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser. Als kommunales Unternehmen ist ihm an einer fairen Tarifgestaltung gelegen. Fair heißt in diesem Sinne, dass die Kosten gedeckt sind und Rücklagen für notwendige Investitionen in den nächsten Jahren gemacht werden können. Nur so lässt sich die Versorgungsqualität dauerhaft hoch halten. Es geht nicht darum, Gewinne zu erzielen, es geht darum, Defiziten vorzubeugen.

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