Auf Tauchfahrt im Brunnenfeld

HUSUM. Bis zu 120 Meter tief reichen die Brunnen, aus denen im Wasserwerk Mildstedt Wasser zutage gefördert wird. Auch diese können altern. Deswegen untersucht die Husum Netz jetzt sechs dieser Brunnen auf ihren Zustand. „Eine komplette Analyse haben wir zuletzt 2015 gemacht und damals festgestellt, dass Handlungsbedarf besteht“, erläutert Sönke Eggers, Technischer Leiter der Husum Netz. „Trinkwasser ist das Lebensmittel Nr. 1. Als Wasserversorger in Husum und Mildstedt tragen wir Verantwortung, dass das kostbare Nass auch für künftige Generationen sicher und qualitativ hochwertig zur Verfügung steht“, betont er. In der Zwischenzeit hat die Husum Netz bereits vier Brunnen neu gebaut. Die erneute Untersuchung nach fünf Jahren soll nun klären, wie sich der Zustand der älteren Brunnen seither verändert hat, und ob weitere von ihnen erneuert werden müssen. Denn seit dem Bau dieser Brunnen – der älteste stammt aus den 1970er-Jahren – hat sich der Wasserverbrauch in Husum verändert: Zwar ist dank sparsamer Wasserarmaturen der Verbrauch generell gesunken. Gleichzeitig gibt es durch zunehmende Hitzeperioden wie in den vergangenen drei Sommern immer häufiger Phasen mit sehr hohen Abnahmemengen. Einige Brunnen sind noch auf höhere Fördermengen ausgelegt als notwendig. „Wenn jedoch weniger benötigt wird, sind die alten Brunnen nicht mehr optimal ausgelastet und es kann zu Beschädigungen kommen, deshalb investieren wir seit fünf Jahren stark in die Modernisierung der Brunnenbewirtschaftung“, informiert Sönke Eggers. Die mittlere Betriebsdauer eines Förderbrunnens in Norddeutschland beträgt normalerweise etwa 40 bis 50 Jahre, unter günstigen Bedingungen auch länger.

Pumpe raus, Kamera rein

Insgesamt stehen bis Mitte Oktober acht Brunnen für die genauere Untersuchung auf dem Plan. Für ihre Untersuchung kommt eine spezielle Kameratechnik zum Einsatz, um die Innenseite in Augenschein zu nehmen. Dazu werden die Brunnen zunächst von der Förderung abgekoppelt. Damit die Menschen in Husum und Mildstedt weiterhin genügend Trinkwasser erhalten und auch der Husumer Mineralbrunnen seine Abfüllung weiterlaufen lassen kann, werden jeweils nur zwei Brunnen auf einmal untersucht. „So ein Brunnenschacht hat einen Durchmesser von etwa 40 Zentimetern. Für die Kamera müssen wir erst mal Platz schaffen“, erläutert Sönke Eggers, „die Förderpumpe ist zum Beispiel im Weg.“ Auch die je nach Brunnen zwischen 40 und 60 Meter lange Steigleitungen muss raus, in der das Wasser normalerweise aus der Tiefe gepumpt wird. Anschließend wird die Kamera in den Schacht eingeführt, um die Innenwände auf Schäden sowie die Filterschlitze auf Durchlässigkeit zu untersuchen. „Hygiene ist dabei oberstes Gebot“, betont der technische Leiter. Alle Bauteile werden gereinigt und desinfiziert, bevor sie wieder zurück an ihren angestammten Platz kommen. Darüber hinaus geht ein Brunnen nur dann wieder ans Netz, wenn bei den entnommenen Wasserproben alles in bester Ordnung ist. Die Untersuchungsergebnisse durch die beteiligten Hydrogeologen stehen bis Ende des Jahres fest.

Bewirtschaftung mit Augenmaß

Die Husum Netz investiert seit 2015 in den Umbau der Trinkwasser-Infrastruktur. „Wir machen unser Wasserwerk und unser Netz fit für die Zukunft“,  informiert Sönke Eggers. Neben dem Bau neuer Brunnen steht am Rosendaler Weg auch die Erneuerung der Wasserfilter an: Die vier Filter sind dafür zuständig Eisen und Mangan, die als natürliche Inhaltsstoffe im Rohwasser vorkommen, zu entfernen. Stück für Stück erhalten die Anlagen neue Filtersande und werden auf den neuesten Stand gebracht. Im Frühsommer hat die Husum Netz den dritten Filter fertiggestellt, der letzte folgt im kommenden Jahr.

Am Haken: Bevor der Brunnen mit einer Kamera genauer analysiert werden kann, muss die Steigleitung raus. In ihr wird das Rohwasser heraufbefördert (Foto: Husum Netz).

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