Stadtwerke Husum - Informationen zur Gaspreisentwicklung

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Fragen und Antworten zur Gaspreisentwicklung

Wenn der Ölpreis fällt, warum fällt nicht gleich der Gaspreis?
Wie setzt sich der Gaspreis eigentlich zusammen?
Ist die Ölpreisbindung angesichts steigender Preise nicht kundenfeindlich und sollte aufgegeben werden?
Welche Vorteile ergeben sich aus der Ölpreisbindung?
Welchen Anteil haben staatliche Steuern und Abgaben am Gaspreis?
Wie erklären sich regionale Unterschiede im Erdgaspreis?
Welche prinzipiellen Vorteile bietet Erdgas gegenüber Heizöl?

Wenn der Ölpreis fällt, warum fällt nicht gleich der Erdgaspreis?

Die Ölpreise sind ständig in Bewegung. Um Transparenz zu schaffen, gibt es die so genannte "Ölpreisbindung der Erdgaspreise". Als Referenzpreis für die Ölpreisbindung der Gaspreise wird in Deutschland häufig der Preis für extraleichtes Heizöl (HEL) verwendet. Dieser wird vom Statistischen Bundesamt für Lieferung in Tankwagen, frei Verbraucher, mit 40 bis 50 hl pro Auftrag, ermittelt und veröffentlicht.

Um die Entwicklung der Gaspreise im zeitlichen Verlauf zu glätten, findet bei Gaslieferverträgen zum Beispiel die so genannte "6-1-3-Regelung" Anwendung. Die Stadtwerke Husum verwenden diese Regelung bei der Preisberechnung im Zuge einer Anpassung der Arbeitspreise.

Beispiel: 6-1-3-Schema

6  Monate: Referenzzeitraum
Die Ölpreisentwicklung wird sechs Monate lang – in unserem Beispiel unten von Juni bis November 2008 - betrachtet und ein Durchschnittspreis gebildet.
1  Monat: Zeitversatz ("time lag")
Die Zeit zwischen dem letzten der betrachteten Monate und dem Gültigkeitsbeginn des angepassten Erdgaspreises. In unserem Beispiel ist dies Dezember 2008.
3  Monate: Preisgültigkeit
Der angepasste Erdgaspreis ist drei Monate gültig – in unserem Beispiel also von Januar bis März 2009.

Beispielberechnung:

Leichtes Heizöl (HEL), 40–50 hl, Hamburg

Gaslieferverträge mit 6-3-3 oder 3-1-3-Regelungen sind in der Energiebranche ebenfalls üblich.

Wie setzt sich der Gaspreis eigentlich zusammen?

Der Gaspreis wird durch viele unterschiedliche Faktoren bestimmt. So beispielsweise die Beschaffungskosten, die Durchleitungsgebühr und natürlich die Gewinnmarge. Wie das im Einzelnen aussieht, haben wir nachstehend für Sie verständlich aufbereitet:

Zusammensetzung des Erdgaspreises: Aufgrund der weltweit immer größer werdenden Energienachfrage, steigen die Preise für Benzin, Strom, Heizöl und  Erdgas. Da in Deutschland kaum eigene Erdgasreserven vorzufinden sind, wird Gas zu fast 85 Prozent aus dem Ausland bezogen. Dadurch hängt der Gaspreis in Deutschland stark von den Preisen am Weltmarkt ab.  Über Tausende von Kilometern wird das Gas beispielsweise aus Russland über Pipelines nach Deutschland transportiert. Die Transportkosten und Kosten für Import und Verteilung machen bis zu 71 Prozent des Erdgaspreises aus. Um eine zuverlässige Erdgasversorgung zu gewährleisten, werden langfristige Lieferverträge zwischen den Staaten abgeschlossen und viele Milliarden von Euro in die Infrastruktur und Sicherheit investiert.

Daneben wird der Erdgaspreis durch Steuern, Mehrwertabgaben und durch die Erdgassteuer bestimmt. So betrug Anfang 2008 der Staatsanteil am Erdgaspreis 29 %, was Ihnen auch die folgende Grafik verdeutlicht (Quelle: BDEW).

Grafik zur Abgabebelastung

 

Ist die Ölpreisbindung angesichts steigender Preise nicht kundenfeindlich und sollte aufgegeben werden?

Die Ölpreisbindung hat sich als kundenorientiertes und verbraucherfreundliches Instrument der Preisgestaltung vielfach bewährt. Die Vorstellung, die Erdgasproduzenten würden ohne eine Ölpreisbindung günstigere Gaspreise anbieten, ist unrealistisch. Schließlich liegt die Produktion von Rohöl und Erdgas auf der Förderseite fast immer in ein und derselben Hand. Warum sollten diese Produzenten ihr Erdgas „unter Wert“ verkaufen? Das wäre eine marktfremde Erwartung.

Dagegen ist das Risiko eines Verzichts auf die Ölpreisbindung für den Verbraucher ungleich höher. Denn anders als beim Kauf von Butter, Fernsehgeräten oder Automobilen kann der Erdgaskunde natürlich nicht jederzeit auf andere Produkte oder Marken ausweichen. Die Entscheidung für ein Heizungssystem ist schließlich mit hohen Investitionskosten verbunden und nur schwer umkehrbar. Die Ölpreisbindung schützt daher den Verbraucher vor der Anbietermacht der ausländischen Erdgasproduzenten und garantiert, dass Erdgas zu adäquaten, marktgerechten Preisen angeboten wird.

Welche Vorteile ergeben sich aus der Ölpreisbindung?

Die Ölpreisbindung hat den Gaskunden über Jahrzehnte hinweg Planungssicherheit gegeben. Das ist wichtig, denn die Entscheidung für eine Gasheizung bedeutet für Hausbesitzer und Vermieter langfristige Investitionen in das einmal gewählte Heizsystem. Dank der Ölpreisbindung kann der "Häuslebauer" entspannt so oder so in die Zukunft blicken, insbesondere, wenn er sich für den Kellerausbau zur Sauna oder zum Hobbyraum entscheidet und gegen einen Tankraum zur Lagerung seiner Ölvorräte. Seine persönliche Entscheidung wird später nicht durch unvorhersehbare Entwicklungen auf den Weltenergiemärkten falsch. Man bleibt in der wettbewerblichen Relation.

Aber auch gewerbliche Wohnungseigentümer und deren Mieter profitieren von der Ölpreisbindung und der damit gegebenen Berechenbarkeit der Erdgaspreise: Abgesehen von der Sicherheit, dass die Mieter nicht unter einer falschen Energieentscheidung leiden müssen, sprechen Umweltschutz und Bequemlichkeit für das "Gas-Feuer". Vermieter können ihren Mietern zusätzliche Abstellmöglichkeiten durch Kellerräume bieten statt großvolumige Öltanks zu installieren und sich alljährlich mit dem "vertrackten" Einkauf von Heizöl beschäftigen zu müssen.

Dank der Ölpreisbindung setzt der Erdgaskunde nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch immer aufs "richtige Pferd", ohne böse Überraschungen zu erleben.

Wie erklären sich regionale Unterschiede im Erdgaspreis?

Energieversorgung, zumal bei leitungsgebundenen Energien, ist kein Systemgeschäft wie eine Schnellimbisskette. Die Gegebenheiten vor Ort unterscheiden sich erheblich.

Neben einer klugen Einkaufspolitik sind es vor allem äußere, von den Erdgasversorgern nicht zu beeinflussende Faktoren, die sich auf den Gaspreis auswirken. Zum Beispiel macht es einen großen Unterschied, ob eine Pipeline im flachen, sandigen Erdreich oder im hügeligen, felsigen Grund verlegt wird. Das Gleiche gilt für Anschlüsse, die eng zusammenliegen oder weit in der Fläche verstreut sind. Stadtwerke müssen dies bei ihrer Preiskalkulation berücksichtigen.

Welche prinzipiellen Vorteile bietet Erdgas gegenüber Heizöl?

Das Heizen mit Erdgas ist wirtschaftlich und bequem. Erdgas steht jederzeit "auf Knopfdruck" bereit; die lästige Beschaffung und Lagerhaltung von Heizöl entfällt. Daher überrascht es nicht, dass heute fast jeder zweite Haushalt in Deutschland mit Erdgas heizt. Drei Viertel aller neu gebauten Wohnungen werden mit einer Gasheizung ausgestattet. Erdgas ist die Energie der Zukunft.

Darüber hinaus ist Erdgas im Vergleich zu Heizöl, Stein- und Braunkohle umweltverträglicher. So entsteht beim Heizen mit Erdgas weniger Stickstoffoxid und weniger Kohlenmonoxid. Außerdem werden beim Verbrennen von Erdgas geringere Mengen des Klimagases Kohlendioxid freigesetzt.